In Filmen hat die unglückliche Klischee-Vorstadt-Ehefrau ihre Schnapsflaschen hinter den Putzmitteln gebunkert, damit niemand was von ihrer Sucht merkt. Ich bin weder unglücklich, noch lebe ich in der Vorstadt. Und mein Verhältnis zum Alkohol ist ein eher entferntes. Trotzdem lege ich wöchentlich neue Verstecke an. In Tüten. In Kisten. In Schubladen.
Fast überall in der Wohnung findet sich ein mehr oder weniger heimliches Wollversteck. Vor ein paar Jahren hat der Mann mir mal eine wunderschöne Kiste geschenkt, damit das Tütenwesen ein Ende haben möge. Die Kiste ist ziemlich groß. Anfangs reichte sie auch noch aus. Aber schon ziemlich bald brauchte sie Unterstützung von kleineren Kisten. Und dann wieder neuen Tüten.
In manchen Kisten finden sich hauptsächlich Reste. In anderen Verstecken warten noch völlig unberührte Knäuel auf ihre Verwendung. Von denen weiß nur ich. Weil ich offiziell schon seit langem keine neue Wolle mehr kaufe. Habe ja soviel in all den Kisten. Aber ab und zu 50 Gramm leuchtendes Rot oder 100 Gramm Ozeanblau machen mich glücklich. Und vermutlich sind zwei Knäuel feinstes Alpaka in der Sockenschublade hinten links gesünder als Wodka im Putzmittelschrank.
Muss jetzt Schluss machen. Habe das akute Bedürfnis, schnell mal bei meiner Dealerin vorbeizuschauen. Vielleicht noch ein bisschen Baumwolle für den Sommer?

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